1. Ein kleines Referat zum Thema Heimat

    Kirchenkreistag diskutiert in Rolfshagen

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    ROLFSHAGEN. Dass es alles Kirchenvertreter waren, die sich jetzt im Gemeindehaus Rolfshagen getroffen haben, wurde spätestens in dem Moment deutlich, als das erste Lied gesungen wurde. Unter der Leitung von Kreiskantorin Daniela Brinkmann wurde mehrstimmig gesungen und die gut 30 Anwesenden ließen durch ihre Stimmen vermuten, dass ein Chor auftrat. Doch so war es nicht. Der ev.-luth. Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg hatte zur 10. Sitzung des Kirchenkreistages eingeladen. Etwas enttäuschend war die Resonanz. Nur gut 30 Kirchenvertreter waren gekommen, Zuhörer hatten den Weg zu der öffentlichen Sitzung nicht gefunden. Der Vorsitzende, Dr. Michael Behrndt, begrüßte die Teilnehmer, unter ihnen Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr, Superintendent Andreas Kühne-Glaser und Rolf Bade, Mitglied des Landessynodalausschusses. Pastor Robert Dierking war es als Hausherr vorbehalten, eine Andacht zu halten. Die Landessuperintendentin hielt schließlich einen Vortrag zum Thema "Heimat - wie der Glaube geistlich Heimat gibt". Dabei erzählte sie von einem syrischen Flüchtling, der bei einem Besuch in der Markthalle Hannover feststellte: "Hier riecht es nach Heimat." Bahr ging auf den Zwiespalt ein, den viele Menschen in sich tragen. Ist die Heimat nun dort wo man geboren oder aufgewachsen ist oder doch dort, wo man heute lebt? Und was bedeutet geistliche Heimat? "Biblische Figuren haben alle ihre Heimat verlassen", stellte Bahr fest. Die Suche nach Heimat stehe am Anfang aller biblischer Geschichten. "Die Welt hat sich verändert und vielen wird sie fremd", stellte die Landessuperintendentin fest. "Um uns herum werden Sprachen gesprochen, die wir selbst nicht verstehen", so Bahr, die fragte, wie viel Befremdung man zu Hause haben darf und wie viel man äußern dürfe. "Wir sind eine mobile Gesellschaft geworden und viele Orte sind Heimat", meinte Bahr, die schließlich mit den Anwesenden über das Thema diskutierte. "Heimat ist nichts Statisches für mich, sondern etwas Romantisches. Mein Glaube setzt mich immer wieder in Bewegung", meinte Kühne-Glaser. Für andere Anwesende war Heimat dort, wo sie sich an ihre Kindheit erinnern und andere fühlten sich dort beheimatet, wo sie seit Jahren oder Jahrzehnten lebten. Nach einer Pause, in der Mitglieder der Kirchengemeinde Kathrinhagen-Rolfshagen für heiße Suppe, Würstchen, Obstspieße und Getränke gesorgt hatten, ging es fachlich weiter. Rolf Bade, Mitglied des Landessynodalausschusses stellte Auszüge aus der neuen Kirchenverfassung vor, die derzeit erarbeitet wird und 2020 in Kraft treten soll. "Wir brauchen diese neue Verfassung weil die derzeitige nicht mehr zeitgemäß ist", erklärte Bade. Sie sei nicht gendergemäß, denn Frauen würden darin nicht erwähnt. "Das gehört sich heute nicht mehr", machte Bahr deutlich. Auch Ausdrucksweisen wie "an Sitte tätig sein" oder "kirchliche Zucht und öffentliche Ordnung" seien überholt. "Die Sprache hat sich seit 1964 geändert und da müssen wir mitgehen", so Bahr. Außerdem sei bisher nur rechtlich geregelt, was rechtlich zu regeln sei. "Ohne theologische Begründung und das geht heute, wo eine Kirchenmitgliedschaft nicht mehr selbstverständlich ist, nicht", sagte Bade. Neu eingerichtet werden sollen sogenannte Personalgemeinden - Gemeinden, ohne festen Standort. Auf den Prüfstand kommen auch die Kirchenvorstandswahlen. "Bei der geringen Anzahl von Kandidaten müssen wir uns fragen, wie repräsentativ unsere Wahlen sind", erklärte Bade. Derzeit sei aber noch nichts beschlossen. Die neue Verfassung werden gerade in die Breite getragen und überall vorgestellt. Zum 1.1.2020 soll sie dann in Kraft treten. Die vorläufige Fassung finden Interessierte übrigens im Internet auf der Homepage der Landeskirche unter: www.landeskirche-hannover.de.

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