1. Uralter Auerochse "schwebt" im Museum

    Bald eröffnet die Landesausstellung "Revolution Jungsteinzeit" in Detmold

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    Detmold (ab). Das über 11.000 Jahre alte Skelett eines Auerochsen gehört zu "Stars" der neuen Ausstellung im Lippischen Landesmuseum. Eröffnet wird die "Revolution Jungsteinzeit" am 2. Juli. Derzeit helfen Restauratoren aus dem LVR-Landesmuseum Bonn beim Aufbau in Detmold. Ausstellungskurator Simon Matzerath macht aus seiner Begeisterung keinen Hehl: "Das ist das am besten erhaltene Auerochsenskelett, das je in Deutschland gefunden wurde". Wissenschaftler haben es in der Nähe von Mönchengladbach am Flüsschen Niers gefunden. Angesichts des Alters ist es erstaunlich, wie viele Details zu dem Tier bekannt sind. Vor über 11.300 Jahren wurde es von Jägern mit Pfeil und Bogen erlegt. Das zeigen Pfeilspitzen, die ebenfalls gefunden wurden. In der Nähe konnten außerdem zwei Feuerstellen nachgewiesen werden. Das Tier wurde also vermutlich an Ort und Stelle zerlegt und alles Nützliche – Hörner, Fell, Sehnen und natürlich das Fleisch – verwertet. Rund zwei bis drei Wochen konnte die Menschengruppe davon essen. Das imposante Rind war ein Weibchen mit einer Schulterhöhe (der Experte sagt Widerristhöhe) von 1,5 Metern und ist etwa 2,20 Meter lang. "Ein Männchen wäre noch um ein Drittel größer", sagt Matzerath. Das Tier war 18 bis 20 Jahre alt und ist im Herbst gestorben. Das können die Archäologen anhand des Zahnschmelzes herausfinden. Bejagt wurden Auerochsen von den Menschen der Jungsteinzeit. Diese sind gerade erst sesshaft geworden und sahen durch die wilden Rindviecher ihre Äcker bedroht. Das führte schließlich zur Ausrottung des Auerochsen. Mittlerweile werden Auerochsen allerdings im Rahmen einer sogenannten Rückzüchtung wieder zum Leben erweckt, so Matzerath. Tierpräparatorin Anne Breyer hat rund 3 Monate gebraucht, um alle 150 Knochenteile zu sortieren und richtig zusammenzufügen. Mit Draht und Klippverbindungen aus Metall wird das schwere Skelett zusammengehalten und scheint in der Vitrine zu schweben. Auf 800 Quadratmetern wird die Landesausstellung gut 1.500 Funde zeigen. Zu den Highlights gehören das älteste Gehörn einer Milchkuh (7.000 Jahre alt), Deutschlands ältester Wald (390 Millionen Jahre alt) und das einzige Priesterinnengrab aus dem römischen Reich (2. Jahrhundert nach Christus). Die Jungsteinzeit ist die größte Umwälzung der Menschheitsgeschichte, deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit wirken, sagt Simon Matzerath. Vor 12.000 Jahren, mit dem Ende der letzten Eiszeit, wurden soziale Strukturen ausgeprägt, Hierarchien entstanden, und die Menschen wurden sesshaft. Seitdem wachse die Weltbevölkerung stetig und das Streben nach Wirtschaftswachstum begann. Die Landesausstellung ist eine Leistungsschau der Westfälischen Archäologie; sie zeigt, was die Forschung in den vergangenen fünf Jahren herausgefunden hat. Zum ersten Mal überhaupt macht eine Landesausstellung Station in Detmold. Die Archäologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen mit dem Titel "REVOLUTION jungSTEINZEIT" ist vom 2. Juli bis zum 26. Februar im Lippischen Landesmuseum zu sehen. Ein Programm mit 15 Sonderveranstaltungen – Mitmachprogramme, Vorträge, Diskussionen – startet Ende August. Außerdem wird es Führungen für Kinder und Erwachsene geben. Zahlreiche Mitmachelemente sowie aufwändige Inszenierungen und Medienstationen machen die Ausstellung zu einem Erlebnis für die ganze Familie. Weitere Infos auf "www.lippisches-landesmuseum.de".

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