1. Fast nahtlos von der Vergangenheit in die Gegenwart

    Fischer- und Webermuseum präsentiert Sonderausstellung "Stoff für Geschichte(n)" / Gefühlvolle Einführung

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    STEINHUDE (tau). Die Sonderausstellung "Stoff für Geschichte(n) – das Hemd ohne Naht" im Fischer- und Webermuseum ist in dieser Woche eröffnet worden. In der Ausstellung steckt viel Arbeit drin, vor allem Recherche, um der Geschichte des Johan Hendrick Bühmann, der im 18. Jahrhundert in Steinhude lebte und das Hemd ohne Naht anfertigte, auf die Spur zu kommen. Ein Projektteam von Studierenden und der Dozentin Stephanie Kirsch vom Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover beschäftigten sich mit der Aufarbeitung und führten unter anderem Telefonate durch halb Europa, sogar bis nach Israel. Herausgekommen ist eine Ausstellung voller spannender Erkenntnisse, zusätzlich bereichert um ein visuelles Highlight der beiden Künstler René König und Gregor-T. Kozik aus Chemnitz, die mit ihren modernen bunten Hemden für die außergewöhnliche Mode der Gegenwart stehen.

    Die Ausstellung ist als Rundgang konzipiert und startet mit einer Herausforderung an die Besucher. An einer Fühlstation geht es buchstäblich an die Wäsche. Eine sensible Einführung in das Thema Hemd ohne Naht. Denn nahtlos oder seamless, wie es in der Fachwelt heißt, geht es auch heute noch in Kleiderschränken zu. Zur Zeit Bühmanns war das Anfertigen eines nahtlosen Hemdes hingegen ein Meisterstück, das sich nur Landesherren und gekrönte Häupter leisten konnten. Das Forscherteam fand unter anderem heraus, dass Bühmann mit diesem Hemd 1728 die Aufnahme in die gerade erst neugegründete Weberzunft schaffte. Allerdings fehlt sein Name in der Gründungsurkunde, was das Forscherteam stutzig machte. Ein Rechnungsbuch belegt hingegen, dass Bühmann drei Monate nach Gründung der Zunft bereits als Meister anerkannt war und zwar vom Grafen persönlich, dem das "Enfant terrible" sein Hemd unter Umgehung der Weberzunft zukommen ließ. Die Ausstellung klärt über die Lebensumstände des außergewöhnlichen Webers auf und dokumentiert darüber hinaus seine technische Herangehensweise bei seinem Hemd ohne Naht. Bis ins Detail lassen sich die Arbeitsschritte allerdings nicht rekonstruieren, sagen die Forscher. Klar ist aber, dass Bühmann beim Übergang zu den Ärmeln die größten Schwierigkeiten gehabt haben muss. Außerdem wartet die Ausstellung mit einer Anfassecke auf. Wer kann noch erkennen, wie sich gewebte, gestrickte, gehäkelte oder gesprangte Stoffe anfühlen und worin sich die Handarbeitstechniken unterscheiden? Am Ende ist der Besucher nicht nur um viel Hintergrundwissen reicher, er kann auch an einem Experiment teilnehmen. Ein Skizzenbuch liegt aus, in dem die Besucher ihre grafischen Eindrücke der Ausstellung ausdrücken dürfen und sollen. Diese Eindrücke werden die beiden Künstler René König und Gregor-T. Kozik interaktiv nutzen, um ein Künstlerhemd "designed in Steinhude" zu gestalten. Das Ergebnis wollen sie auf der Finissage am 29. November 2015 der Öffentlichkeit präsentieren. Foto: tau

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