STADTHAGEN (jl). Ein Bekleidungsgeschäft auch als Bühne nutzen. Auf dieses Experiment haben sich Betty, Inhaberin von "Bettys Secondhandladen" und die Schaumburger Amateurkabarettgruppe "Die Mischlinge" eingelassen. Und das mit großem Erfolg. Die Kabarettisten strapazierten die Lachmuskeln der zahlreich erschienen Gäste mit einer Mischung von Auszügen aus ihrem Programm 2010 und der aktuell sich noch in der Entstehung befindende Produktion 2011. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Alten Polizei und der Volkshochschule Schaumburg. Eingerahmt wurden die Szenen durch türkisch-folkloristische und ukrainische Musik. Während das Publikum zwischen Kleiderbügeln und Regalen das bunte Treiben verfolgte, verwandelten "Die Mischlinge" das Schaufenster in eine Bühne mit multikultureller Spitzenbesetzung. Unter der Leitung von Renate Junklewitz verpackte die Truppe gesellschaftliche und politische Themen vom Dioxinskandel bis hin zur Hartz-IV-Erhöhung in eine satirische Hülle, transportiert durch unterschiedliche Charaktere in mehreren Szenen. So lässt in der zweiten Folge von "Familie Datschmann zieht aus dem Hartz" die besagte Familie das Publikum an ihrem neuen Leben als "Aufstocker" teilhaben. Was das bedeutet erklärt die Frau des Hauses: "Wir kriegen Lohn und brauchen nur noch ein bisschen Hartz IV." Während Herr Datschmann nach "nur" drei Jahren einen neuen Job antritt – "Ich vernichte vergammelte Eier!" – hat Frau Datschmann dank des "Filmens" ihrer Straße von Google Street View entdeckt, dass die heimische Couch "total schäbig" aussieht. Für sie ein Grund mehr über die Erhöhung ihres Hartz-IV-Satzes zu philosophieren: "Wenn die fünf Euro rollen, dann, Leute, Reichtum ich komme!" Gut, dass genau in diesem Moment die Assistentin des Schuldenberaters Peter Zwegat vor der Tür steht. Beim Gegenüberstellen der Ausgaben und Einnahmen bleiben unterm Strich fünf Euro übrig. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein Finanzberater schwatzt der naiven Frau Datschmann eine Altersvorsorge an, die vorne und hinten nicht stimmt. "Das Kleingedruckte brauchen Sie nicht lesen, versteht eh keiner. Ich auch nicht." Mit diesem weisen Satz endete ein fulminanter Auftritt einer starken und vor allem beständigen Truppe.
Seit 19 Jahren präsentieren "Die Mischlinge" jährlich ein neues Programm. Bedingt durch die persönlichen Lebensläufe setzt sich die Gruppe aus wechselnden Mitgliedern zusammen. Die Menschen aus verschiedensten Ländern treffen sich wöchentlich, um gesellschaftspolitische Themen satirisch einzufangen und kabarettistisch aufzuarbeiten. Foto: jl