LANDKREIS (mh). Der Skandal um verseuchtes Tierfutter zieht seine Kreise. Seit bekannt werden der Fälle von mit krebserregenden Dioxin verseuchtem Tierfutter hat das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen nun landesweit 1.000 Legehennen-Farmen, Schweine- und Putenzuchtbetriebe vorsorglich gesperrt. Die Betriebe haben möglicherweise verseuchtes Tierfutter bezogen und wurden zum Schutz der Verbraucher gesperrt.
Unter den 1.000 Betrieben, die mit verseuchtem Futter beliefert wurden, befindet sich laut einem Sprecher des Landkreises Schaumburg kein Betrieb aus dem Landkreis. Dennoch hat der Landkreis Schaumburg einen Betrieb vorsorglich aus dem Verkehr genommen. "Ein Geflügelbetrieb hat sich selbst bei uns gemeldet, da der Betreiber nicht ausschließen kann, eventuell auch verseuchtes Tierfutter erhalten zu haben", sagt Klaus Heimann, Sprecher des Landkreises. Derzeit werden Proben, die in dem Betrieb genommen wurden, im Labor analysiert. In der Zwischenzeit darf der Betrieb seine Erzeugnisse nicht weiterverkaufen. Ob noch weitere Betriebe in Schaumburg dazukommen, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, so der Sprecher weiter. In der Region Hannover sind bisher drei Betriebe von der Sperrung betroffen, hierbei handelt es sich um Schweinemastanlagen. Zwei Betriebe in Neustadt und ein Betrieb in der Wedemark mussten die Produktion und den Verkauf bis auf weiteres einstellen. "Derzeit haben wir keine Informationen, dass noch weitere Betriebe von einer Sperrung bedroht sind", sagt Klaus Abelmann, Sprecher der Region Hannover auf Anfrage.
Als Konsequenz aus diesem Fall fordert der Landvolk-Präsident Werner Hilse noch mehr Transparenz und Sicherheit bei den Vorlieferanten. "Unsere Landwirte müssen als Käufer von Mischfutter auf einwandfreie Lieferungen vertrauen können", sagt Werner Hilse.
Angefangen hat der Skandal bei einem Futtermittelhersteller in Schleswig-Holstein, der Abfälle aus der Biodieselproduktion zu Tierfutter verarbeitet hat. Dieser Abfall - technische Mischfettsäure - war keinesfalls zur Futtermittelherstellung geeignet, sondern beispielsweise nur für die Produktion von Schmiermitteln.
Das auf diese Weise hergestellte Futterfett wurde über Zwischenhändler an Höfe und Betriebe in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg geliefert.
Wie die Abfälle in die Tierfutterproduktion gelangen konnten ist derzeit unklar, schließlich beteuert der Biodieselhersteller darauf hingewiesen zu haben, dass der Abfall nicht für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie geeignet war. Zurzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Itzehoe in diesem Fall, ein Verdacht, dass Kosten gespart werden sollten ist nicht ausgeschlossen, denn technische Fette sind billiger als Fette für Futtermittel.
Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat nun unter der Telefonnummer 0441/57026333 eine Hotline zur Bürgerinformation eingerichtet.