RINTELN (ih). Das Ende kam überraschend: Am vergangenen Donnerstag erklärte die Tarifkommission des Klinikums Schaumburg das Ende der Tarifverhandlungen. In einer gemeinsame Erklärung heißt es, die Beteiligten seien in einem sachorientierten Gespräch überein gekommen, dass die äußeren Rahmenbedinungen einen Tarifabschluss nicht zuließen. In einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch informierten Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Ergebnisse des Sondierungsgespräches:
Schlussakkord in Rinteln: Gemeinsam verkünden Claus Eppmann (v.li.), Christian von der Becke für die Arbeitgeber und Peter Fulge, Aysun Tutkankardes, Sven de Noni, Mira Wehmeyer und Gabriele Walz für die Arbeitnehmer das Ende der Tarifverhandlungen.
Grund für das Ende ohne Ergebnis seien die Unterfinanzierung des Gesundheitssystems, die wirtschaftliche Situation des Klinikums Schaumburg und die Knappheit beim ärztlichen Personal. Die Mitarbeiter des Klinikums hatten einen Gehaltsverzicht abgelehnt, durch den das Defizit des Klinikums Schaumburg maßgeblich hätte gesenkt werden sollen. Dabei ist die Ärzteschaft, vertreten durch den Marburger Bund, in einer weithaus komfortableren Situation als die Pflege und andere Bereiche, vertreten durch ver.di. Ärzte sind Mangelware und werden dringend gebraucht. Die Tarifverhandlungen seien von Anfang an kein Wunschkonzert gewesen, so Aysun Tutkankardes, ver.di..
Die oberste Forderung, eine Beschäftigungssicherung, sei nicht erreicht worden. Ein Gehaltsverzicht sei abgewendet worden. Nun werde auf der politischen Ebene weiter entschieden. Sven de Noni vom Marburger Bund sagte, dass sich keiner der Beteiligten als Gewinner oder Verlierer fühle. Peter Fulge geht davon aus, dass es in allen Bereichen, in denen man während der Gespräche vorangekommen sei, weitergehen werde.
Claus Eppmann, proDiako, zeigte sich als Mehrheitsgesellschafter enttäuscht darüber, dass es keine gemeinsam getragene Lösung gegeben habe. "Wir müssen die Fakten anerkennen", so Eppmann. Wenn der Tarifabschluss nicht geht, dann müsse es eine Alternative geben, die Kosten zu senken. Eine sogenannte bedarfgerechte Anpassung werde es geben. Nun müsse der Landkreis als Souverän entscheiden, wie es weitergehe. "Das Miteinander der Beteiligten geht weiter. Es gibt keine Sendepause." Am Montag will Geschäftsführer Christian von der Becke dem Krankenhaus-Betriebsausschuss die Möglichkeiten vorstellen, die nach dem Ende der Tarifverhandlungen bleiben, um das Defizit abzusenken. Bekannt und gefürchtet ist bereits seit langem die sofortige Schließung des Krankenhauses in Rinteln. Eine weitere Alternative sei ein stetig steigendes Leistungsgeschehen in Rinteln. Die dritte Möglichkeit sei die "bedarfsgerechte Anpassung" an das Leistungsgeschehen. Ein Mehr an Arbeit am Standort Rinteln ist kurzfristig kaum denkbar. Derzeit liege die Auslastung bei rund 50 Prozent. In Summe blieben die Entwicklungen in der Inneren Medizin deutlich hinter den Erwartungen zurück, in der Chirurgie sei hingegen ein positiver Trend zu erkennen. Weiter ins Detail wollte von der Becke nicht gehen. Zunächst solle der Betriebsausschuss informiert werden. Dann werde es eine gemeinsame Sprachregelung geben, so Eppmann. Foto:ih