1. Wenn die Alten mit den Jungen

    Zahlen zum "demografischen Wandel" im Landkreis Schaumburg / Handfestes und Gedankenspiele

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    LANDKREIS (ih). Der demografische Wandel nervt. Er soll weggehen. Politiker halten ihn in Reden, Parteien in Programmen hoch. "Wir werden weniger und wir werden älter". Niemand kann es mehr hören.

    Doch es drängt, aus der Floskel etwas Greifbares zu machen. Im ländlichen Raum, wie dem Kreis Schaumburg, sieht es sonst in 15 Jahren düster aus. Das Gutachten "Gestaltung der Daseinsvorsorge im demografischen Wandel" des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW) hat für den Landkreis Schaumburg Zahlen zusammengestellt. Die aufhorchen lassen.

    Beispielsweise dann, wenn ein Enkel plötzlich zwei Häuser erbt. Im Jahr 2025 ist jeder zweite Schaumburger älter als 55 Jahre. Insgesamt nimmt die Bevölkerung ab. Und zwar deutlich um 17600 Menschen. So viele, wie derzeit in der Samtgemeinde Nenndorf leben. Mit den Bewohnern geht auch die Infrastruktur zurück. Der Enkel mit seinen zwei Häusern muss diese also nicht nur barrierefrei umbauen, falls er sie vermieten will. Er muss künftig auch richtig weite Wege auf sich nehmen, um Nägel, Tapeten und Glühbirnen zu kaufen.

    Wohnt der Enkel in Bückeburg oder Bad Nenndorf, hat er Glück. Auch die Menschen in der Residenz- sowie der Kurstadt werden weniger und mit ihnen Fleischer, Supermärkte oder Gärtner. Doch Stadthagen und Rinteln trifft es deutlich härter.

    Hat der Enkel allerdings in Obernkirchen geerbt, werden die Wege lang und länger. Für das bereits heute hochverschuldete Grundzentrum im Schaumburger Land prognostiziert das Gutachten eine "besonders gravierende" Entwicklung, was die Nahversorgung betrifft.

    Sollte der Enkel eines seiner beiden Häuser vermieten können, dann nur in kleinen Wohneinheiten. Das Konzept Großfamilie ist lange vorbei. Aber selbst die deutsche Durchschnittsfamilie mit Vater, Mutter und 1,3 Kindern ist in Schaumburg ein alter Hut. In den nächsten 15 Jahren werden die Single-Haushalte mehr, Pärchen rücken räumlich häufiger zusammen. Dagegen wird ein Drittel aller Haushalte mit mehr als zwei Personen nicht mehr existieren. Nicht alle Enkel werden die Häuser ihrer Vorfahren nutzen können. Darum müssen sich auch die Politik und die Verwaltung um Strukturen bemühen, die eine geänderte Nutzung ermöglichen. Gedankenspiele wie andere Konzepte im Bereich des seniorengerechten Wohnens sollten in der Öffentlichkeit laut gedacht werden. Eine Alten-WG könnte die Lösung für den Enkel mit zwei Häusern sein. Die öffentliche Hand selbst muss sich verschlanken, um nicht die Gelder zu verbrauchen, die für den Erhalt der Infrastruktur notwendig sind. Damit die Alten in der Wohngemeinschaft und der Enkel mit seiner Freundin zum Arzt, ins Schwimmbad oder zum Einkaufen gehen können. Erste Beispiele für dieses Handeln gibt es bereits. Obernkirchen hat jüngst die Zahl der Ratsmitglieder reduziert. Damit fallen weniger Kosten für Sitzungsgelder an. Wenn der Enkel nun noch im Handwerk tätig ist, steht einer positiven Zukunft nichts im Wege. Denn die kleinen Handwerksbetriebe werden in den nächsten Jahren weiterhin gut zu tun haben. Nicht nur der Enkel mit seinen zwei Häusern muss sie energetisch fit machen. Auch im Bereich der Altenpflege und seniorennahe Dienstleistungen sind Fachkräfte Mangelware. Nun müssen die Politiker, die die Zahlen des NIW-Gutachtens gut kennen, sich daran machen, zu handeln. Bis 2025 ist es nicht mehr lange hin. Damit sie bei dem Enkel und der Alten-WG gleichermaßen den Nerv treffen. Und von dem einen wie den anderen gewählt werden.

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