LANDKREIS. Das Aktionsbündnis für das gegliederte Schulwesen in Schaumburg hat vor kurzem die IHK Geschäftsstelle Stadthagen zu einem Informationsgespräch besucht. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Bündnisses hervor. Ziel sei es gewesen, sich beim Leiter der IHK-Geschäftsstelle Reinhard Winter über Anforderungen der Ausbildungsbetriebe an die schulische Bildung zu informieren. Die Gesprächsrunde sei durch den langjährigen Landtagsabgeordneten und Beisitzer im Bündnis, Friedel Pörtner, eröffnet worden. "Es ist unzweifelhaft, dass Kulturtechniken wie Rechnen, Lesen und Schreiben sehr wichtig für die berufliche Ausbildung sind", so Pörtner. "So ist es. Eine generelle Belastbarkeit und Kernkompetenzen, wie zum Beispiel Rechenfertigkeiten und das Ausdrucksvermögen in Wort und Schrift, sind sogar entscheidend", betonte Winter. So könne ein Schüler, der diese Kulturtechniken nicht oder nur unzureichend mitbringe, nicht von einem Ausbildungsbetrieb eingestellt werden.
Auch Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit würden vom Ausbildungsbetrieb eingefordert. "Deswegen ist mit der Einführung von Kopfnoten ein wichtiger Schritt getan worden", so Winter. "Dabei ist anzumerken, dass es durch Studien belegt ist, dass diese Grundfertigkeiten und Kernkompetenzen eher im gegliederten Schulwesen gefördert werden. In der Öffentlichkeit geht aber zumindest in Schaumburg die Diskussion darüber hinweg. Ist die Wirtschaft und insbesondere der Mittelstand damit einverstanden?", stellte Pörtner fragend in den Raum. "Die Erhebungen zu Defiziten der Schüler werden nicht unterteilt nach gegliedertem Schulwesen und integrierten Gesamtschulen. Nur anhand dieser Daten kann von Seiten der IHK eine Aussage dazu gemacht werden und es würde sich zeigen, ob und inwieweit es Defizite bei den Abgängern einer bestimmten Schulform gäbe", so Winters Antwort. "Die Frage ist, warum eine solche Erhebung nicht gemacht wird?", so Bündnismitglied und langjähriger Ortsvorsitzender der Philologen in Stadthagen, Gerhard Klugmann. Es sei ein Unding, dass es keine derartige Detailerhebung gebe.
"Zudem ist es bedenklich, dass sich die Zahl der qualifizierten Abschlüsse zwar erhöht, aber gleichzeitig auch die Anzahl derer steigt, die die Kulturtechniken und Kernkompetenzen nicht oder nur ungenügend aufweisen können", ergänzte Pörtner. "Das mit Abstand wichtigste Ausbildungshemmnis für Unternehmen ist mit 55 Prozent der Befragten eine mangelnde Ausbildungsreife. Es konnten zum Beispiel in 2007 mehr als 15 Prozent der Unternehmen deswegen ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen. Das ist ein Anstieg um drei Prozent-Punkte im Vergleich zum Vorjahr", so Winter.
Auch das Thema Ausbildung sei zur Sprache gekommen. "Die Ausbildungsplatzsituation ist im letzten Jahr deutlich besser geworden und die gleichen Tendenzen zeigen auch die Zahlen in diesem Jahr. Zudem ist auch die Zahl der Ausbildungsabbrecher von 20 Prozent in 2006 auf acht Prozent in 2007 zurückgegangen. Die Zahlen aus 2008 zeigen im Vergleich zum Vorjahr erneut eine Verbesserung", machte Winter deutlich. "Das könnte damit zusammenhängen, dass der Leistungsgedanke einen Umschwung erfahren hat. Es ist nun wieder Gang und Gäbe, auf Leistung zu achten", so Ursula Teßmer, stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses. "Dies zeigt sich auch innerhalb der beruflichen Ausbildung. Das Ergebnis der Zwischenprüfung geht neuerdings mit 40 Prozent in die Abschlussprüfung mit ein. Vorher war nur die Anwesenheit Pflicht bei dieser Prüfung. So entsteht ein gesunder Leistungsdruck", ergänzte Winter.
Desweiteren sei die Situation der Haupt- und Realschulen in Schaumburg besprochen worden. "Die IHK unternimmt ja zweifelsfrei etwas zur Stärkung der Haupt- und Realschulen. Mit Modellprojekten, wie zum Beispiel in Neustadt am Rübenberge, bei dem die IHK Hannover zusammen mit den berufsbildenden Schulen eine Kooperation mit der dortigen Realschule eingegangen ist, wird ganz gezielt etwas getan", so Johannes Hennig, Beisitzer des Bündnisses. "Ja, das erste Ausbildungsjahr wurde in dem Projekt mit in das letzte Schuljahr integriert, um den Übergang zu ermöglichen und zu erleichtern.Auch die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe können so von den Schülern kennengelernt werden", so Winter. Ein ähnliches Projekt sei von der IHK bereits in Schaumburg angeregt worden. Leider seien derzeit die Klassengrößen an den Realschulen nicht vorhanden, die man dafür benötigen würde. Allerdings sei dies auch für Schaumburg erstrebenswert, zumal es in Neustadt auch von den Betrieben gut angenommen worden sei.
"Was derzeit schon möglich ist und auch praktiziert wird, ist ein Mentorenprogramm für Haupt-und Realschulen, in dem eine Vermittlung zwischen Betrieben und Schulen stattfindet. Die Vertreter der Ausbildungsbetriebe gehen direkt in die Schulen um mit Schülern und Lehrern ins Gespräch zu kommen." Bisher sei das Programm in der Haupt- und Realschule Stadthagen und der Realschule in Rinteln angelaufen. Zur weiteren Verbesserung der beruflichen Perspektiven der Schüler seien eine Ausweitung dieses Ansatzes und mehr Berufspraktika gut geeignet.