1. "Null Toleranz" bei Straftaten und persönliches Kennen der Täter

    Stellungnahme zur Frage von Jugendkriminalität im Jugendhof Hirschkuppe

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    RINTELN (ste). Das Thema Jugendgewalt und wie der Staat darauf reagieren soll ist durch den Wahlkampf in Hessen und mehrere brutale Gewalttaten jetzt wieder in den Focus der Öffentlichkeit gerückt. MdL Friedel Pörtner wollte sich vor Ort im Jugendhof Hirschkuppe aus fachkundigem Mund informieren lassen und traf sich mit Polizeichef Gerhard Bogorinsky sowie dem Leiter der Hirschkuppe, Jürgen Kruska. Dabei stellte er ausdrücklich heraus, dass dies für ihn kein Wahlkampfthema sei, da er nicht mehr zur Wahl stehe: "Für mich ist Ende Februar Schluss!"

    MdL Friedel Pörtner holt sich sach- und fachkundigen Rat bei Rintelns Polizeichef Gerhard Bogorinsky und Jürgen Kruska von der Hirschkuppe zur Frage, wie man künftig mit jugendlichen Tätern umgehen sollte.

    Der kam auch schnell auf das Thema: "Wir müssen die Familien der jungen Straftäter viel mehr mit einbeziehen und schnell und konsequent auf Taten reagieren!" Wer nach einem Diebstahl oder einer Körperverletzung ein halbes Jahr später einen computergeschriebenen Einstellungsbescheid bekommt, der hat kein Gefühl mehr dafür, dass dies eine Strafe für die Tat ist. "Zumindest eine zeitnahe Ermahnung in einem persönlichen Erziehungsgespräch müsste die Folge sein", fordert Kruska, denn sonst kursiere in den Reihen der Jugendlichen die Auffassung, dass man Straftaten ohne Folgen begehen könne. Nur die intelligenten jugendlichen Straftäter würden sich durch die bisherige Praxis von weiteren Taten abhalten lassen: "Pech nur, dass die in der absoluten Minderheit sind!"

    Erziehungscamps seien nicht das Allheilmittel, werden allerdings in der Hirschkuppe in Schweden an der finnischen Grenze auch praktiziert: "Vor Ort klappt das auch, doch leider fallen viele zu Hause in die alten Verhaltensmuster zurück!" Kruska plädiert für die Einbeziehung der Familie nach Straftaten von Jugendlichen. Gemeinsam sollte man mit den Eltern Therapiestunden besuchen müssen. Gehe man dort nicht hin, drohten finanzielle Einbußen. Hier hätten die Sozialarbeiter die reelle Chance, Einblicke in die Familienstruktur zu gewinnen und gegebenenfalls weitere Unterstützungen zu geben. Auch müsse das Kinderrecht gestärkt werden und der Jugendhilfe die Möglichkeit eröffnet werden, Kinder schneller aus erziehungsunfähigen Familien heraus zu holen.

    Darüber hinaus fordert Kruska "Null Toleranz" bei Straftaten. Auch kleinere Delikte seien Straftaten und wenn keine Konsequenz daraus folge, gehen die Kinder und Jugendlichen mit jeder Tat ein Stück weiter an die Grenze: "Und dann werden am Ende Rentner krankenhausreif geprügelt!"

    Rohheitsdelikte kommen heute auch häufig bei alleinerziehenden Müttern vor, die Opfer der Gewalt ihrer Kinder werden. Ein Trend, den es durch konsequentes Einschreiten der Mütter zu unterbinden gelte. Probleme sieht der Leiter des Jugendhofes auch in der fehlenden beruflichen Perspektive vieler Jugendlicher, die sich in der Schule nicht mehr anstrengen, weil sie ohnehin keine Chance auf Arbeit haben.

    Rintelns Polizeichef Gerhard Bogorinsky, selbst Vater und Mitglied des Präventionsrates der Stadt Rinteln, stützt Kruska in vielen Punkten den Rücken. Zeitnah und konsequent müssten die bestehenden Gesetze zur Anwendung bei Jugendlichen kommen. Und in Schulen und Kindergärten müsse aufmerksam Vorsorge betrieben werden, damit die Kinder gar nicht erst in Schieflage geraten. Bogorinsky sieht den Schwerpunkt der zu leistenden Arbeit in der Prävention und lobt in diesem Zusammenhang die Arbeit des Präventionsrates und die Arbeit der Polizei, die mit Schulpatenschaften und einer schnellen Sachbearbeitung bei Jugenddelikten alles tut, um vorzubeugen und im Falle einer Tat schnell zu bestrafen. Die Polizei sei für viele Jugendliche durch intensive Kontakte nicht mehr "anonym" und umgekehrt gelte das ebenso.

    Foto: ste

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