LANDKREIS (ih). Mit ungewohnt harschen Worten zeigte sich Landesbischof Jürgen Johannesdotter über das Verhalten der Synode im Umgang mit dem "Röder-Brief" enttäuscht. In seinem offiziellen Bischofsbericht vor der Herbstsynode der Landeskirche Schaumburg-Lippe beklagte er, warum "niemand von Ihnen den von Ihnen gewählten Landeskirchenrat und mich als Ihren Landesbischof gegen diese öffentliche Diffamierung in Schutz genommen" hat. Die Mitglieder hätten "einen Tag und eine Nacht Zeit" gehabt, etwas dagegen zu tun, "als Synode missbraucht zu werden." Lediglich der Synodenpräsident (Pastor Joachim Liebig) habe etwas gesagt. Andere hätten mehr Sorge gehabt, dass dieser "unappetitliche Brief die ganze Sonderssynode verderben würde."
LandesbischofJohannesdotter wählt harsche Worte in seinem Bericht vor der Herbstsynode.
Die Kritik und die Angriffe seien in den vergangenen Wochen und Monaten in einem Umfang geschehen, "der alles überschreitet, was ich in der Leitung eines zehn mal so großen Sprengels der Hannoverschen Landeskirche je erlebt habe."
Der Landesbischof bezog seine kollektive Synodenschelte auf die sogenannte Sondersynode Anfang Oktober in Meerbeck. Der Pastor im Ruhestand Ingo Röder hatte dem Landesbischof und dem Landeskirchenrat in einem Brief schwer belastet, "Kriminelles verschwiegen zu haben." Dieses Schreiben war allen Mitgliedern der Synode, Laien wie Pastoren, am Vortag zugegangen.
Die Reaktion der Synodalmitglieder war geprägt durch die Worte des Synodalpräsidenten Joachim Liebig. Er erteilte dem Brief als Gegenstand der Sondersynode in einer Vorbemerkung eine deutliche Absage. Für ein inhaltlich bedeutendes Schreiben gäbe es Fristen, die Röder nicht eingehalten habe. Also sei dieser Brief für die Sondersynode nicht von Bedeutung, so Liebig im Oktober. Zudem habe Röder gegen das 8. Gebot verstoßen. Liebig kündigte an, dass sich die Gremien der Landeskirche mit dem Schreiben befassen würden.
In seinem Bericht vor der Herbstsynode in der vergangenen Woche ging Johannesdotter auf das Gebahren eines Synodalen ein. Er sei mit "Fehlurteilen und halben Wahrheiten" konfrontiert worden. "Ist da kein Synodaler, der versucht hat, wenigstens versucht hat, ihn davon abzuhalten, in solcher Weise Bischof und Kirchenleitung in öffentlicher Tagung anzugehen?"
"Nein, liebe Schwestern und Brüder, diese Landeskirche wird nicht durch Kirchensteuerrückgänge und ihre geringe Größe gefährdet, sondern gefährdet sich höchstens selbst durch Verlust dessen, was ihr Grund und ihre Mitte ist." Die Reaktionen auf die Worte des Landesbischofs gingen unter den Synodalen auseinander. Einige entschuldigten sich vor Ort, andere zeigten sich ihrerseits enttäuscht über die Sichtweise des Landesbischofs. Es habe der Konsens geherrscht, den Röder-Brief nicht unnötig "hochzukochen". Der Landeskirchenrat muss sich in den nächsten Wochen mit der Frage auseinandersetzen, ob er Jürgen Johannesdotter bittet, die Stelle des Landesbischofs für weitere drei Jahre zu übernehmen oder die Stelle ausschreibt. Regulär ginge der derzeitige Landesbischof im Oktober mit 65 Jahren in den Ruhestand. Bittet ihn der Landeskirchenrat, kann er bis zum 68. Lebensjahr das Amt ausüben. Foto: priv.